Geflügelpest im Landkreis Cloppenburg (15.12.2014)
Ein großes Spiel mit dem eigenen Leben - nur für billiges Fleisch.



In einem Putenmastbetrieb im Landkreis Cloppenburg wurde am 15.12.2014 das für Vögel hoch gefährliche Influenza-A Virus H5N8 nachgewiesen. Nach aktuellen Medienbnerichten müssen auf Anordnung der Veterinärbehörde ca. 130.000 Puten im Kreis getötet werden um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das Virus ist nach Information der Behörden "nicht gefährlich für Menschen".

300 Stück lebendes "Geflügel" pro Haushalt im Kreis Oldenburg. Gerade die Massentierhaltung von "Geflügel" ist besonders anfällig für Krankheitserreger. Alleine im Landkreis Cloppenburg werden etwa 12 Mio. Vögel für Schlachtzwecke gehalten, Hühner, Puten, Gänse, Enten. Jede 4-köpfige Familie im Kreis hält somit statistisch etwa 300 Vögel. Viel wurde bereits über die gnadenlosen und unwürdigen Haltungsbedingungen von Vögeln zur Lebensmittelproduktion berichtet. Schon der Begriff "Geflügel" für essbare Vogelarten, spricht hier Bände. Aber da ist noch ein weiterer Aspekt der Massentierhaltung. Eine Gefahr, die leise daher kommt, unsichtbar und tödlich ist.

Influenza-A Viren bewirken Krankheiten bei Mensch und Tier. Influenza-A Viren gibt es in zahllosen Varianten. Wir erinnern uns an die jährlichen Spekulationen bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die aktuell gefährlichsten Erreger der Virusgrippe des Menschen. Gelingt die Vorhersage, sind Geimpfte relativ geschützt. Liegt die Prognose daneben, dann gibt es viele Todesfälle.

Influenza A Viren (wie auch H5N8) verändern sich ständig und schnell. Influenza-A Viren haben eine außerordentlich große Fähigkeit ihr Erbgut zu verändern und sich an neue Opfer (z.B. Vogel- oder Säugetierarten) zum Zweck der eigenen Vermehrung anzupassen. Es gibt keinen vernünftigen Grund auszuschließen, dass H5N8 schon Morgen zu einem tödlichen Virus für Menschen wird. Genetische Veränderungen (Mutationen) von Viren setzen sich dann besonders gut durch, wenn sie einen erfolgreichen Angriff auf eine neue biologische Art (als Opfer) ermöglichen, halten sich aber auch, wenn sie ohne Einfluss auf die Lebensfähigkeit des Virus sind, d.h., wenn sie aktuell nicht weiter "stören".

Wir spielen Russisches Roulette für billiges Vogelfleisch. Jeder kennt das tödliche Spiel. Eine Patrone wird in die Trommel des Revolvers gesteckt. Die Trommel wird gedreht, der Hahn gespannt. Dann wird der Abzug betätigt. Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ist keine Patrone im Lauf und der Spieler überlebt. Dieses Spiel läuft gerade in den großen Ställen der Fleischindustrie. Die (unfreiwilligen) Spieler sind wir alle.

Massentierhaltung ist russisches Roulette. Die Massentierhaltung beschleunigt die Vermehrung der gefährlichen Viren außerordenlich stark. Millionen von unfreiwilligen Versuchstieren stehen in den Ställen auf engstem Raum und ermöglichen für Influenza-A Viren den größten Feldversuch aller Zeiten. Die Viren haben jeden Tag millionenfach die Möglichkeit von Versuch und Irrtum. Auch bei äußerst kleinen Wahrscheinlichkeiten für die Bildung einer für Menschen tödlichen Virenform, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das virale Experiment gelingt. Ein neuartiges Virus aus dem Stall trifft dann auf einen Menschen in der Tierfabrik. Der Mensch geht anschließend von der Arbeit nach Hause zu seiner Familie und in den Tiefkühlregalen Europas liegen kurz darauf tausende geschlachtete Puten, die das neue Virus in sich tragen.....

Wer an beherrschbare Viren glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Wer dann glaubt, man könne ein solches Szenario rasch durch Desinfektion, Handschuhe oder einen Overall stoppen, der steht vermutlich auf der Gehaltsliste der Fleischindustrie. Viren sind schwerer zu stoppen als Bakterien. Ebola-Viren haben uns gerade erst gelehrt, wie hartnäckig eine solche Infektion sein kann. Eine Infektionswelle mit Massen von Influenza-A Viren aus einem "Geflügel"-Stall, können wir uns vermutlich noch gar nicht vorstellen. Die Folgen wären - im Sinne des Wortes - tödlich.



Ist der Genuss von billigem Vogelfleisch dieses Risiko wert?



Dr. Henrik Laasch, Dipl. Biologe