Presse-Erklärung des Tierschutzvereins Oberberg e.V.


Welttierschutztag

4. Oktober 2007



Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober unterstützt der Tierschutzverein Oberberg e.V. die Kampagne seiner Dachorganisation, des Deutschen Tierschutz-bundes e.V. (DTB). „Macht die Regale frei von Hühnerquälerei - Keine Käfigeier in Produkten“ heißt das diesjährige Motto, mit dem bundesweit gegen die Verarbeitung von so genannten „Qualeiern“ in Fertigprodukten vorgegangen wird. Dem Deutschen Tierschutzbund sind 16 Landesverbände und 729 örtliche Tierschutzvereine mit 514 vereinseigenen Tierheimen und mehr als 800.000 Mitglieder aus allen Teilen der Bundesrepublik angeschlossen. Damit ist der Deutsche Tierschutzbund Europas größte Tier- und Naturschutzdachorganisation.


In Deutschland werden derzeit etwa 38 Millionen Hennen in Beständen mit mehr als 3.000 Legehennen gehalten. 78% von ihnen leben in Käfigen. In der herkömmlichen Käfighaltung stehen dem einzelnen Tier dabei nicht mehr als 550 Quadratzentimeter zur Verfügung. Es hat weniger Platz als auf einer Schreibmaschinenseite. In dieser drangvollen Enge können sich die Hennen kaum bewegen. Der erzwungene Bewegungsmangel führt zu gesundheitlichen Schäden wie Fettleber, Fußballen-geschwüren und Knochenschwäche. Arteigene Verhaltensweisen der Legehennen werden im Käfig unterdrückt. Hennen haben z.B. einen angeborenen Trieb zu scharren und zu picken. Da das im Käfig nicht möglich ist, richtet sich dieser Trieb gegen die Artgenossen. Es entstehen schwere Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Nicht zuletzt leiden die Tiere im Käfig an so genannter Legenot: Weil kein Nest für eine artgemäße Eiablage vorhanden ist, halten sie krampfhaft Eier zurück.


Die Umsatzzahlen der Eier aus artgerechten Haltungssystemen steigen gegenüber denen der Eier aus der Käfighaltung stetig an. Das beweist:  Wenn die Produkte klar gekennzeichnet sind, wie es auf den Eierverpackungen auf Druck des DTB mittlerweile der Fall ist, trifft der Verbraucher seine Entscheidung zugunsten des Tierschutzes. Der Verbraucher hat die Macht, doch in vielen Fällen können die Verbraucher ihre Macht nicht einsetzen, denn sie können nicht erkennen, welche Eier sie kaufen. Die Eierindustrie versteckt zum Großteil die ungeliebten Käfigeier in ihren Produkten. So werden jährlich Milliarden Eier aus der Käfigqualhaltung in Eierlikör, Fertignudeln, Backmischung oder Fertigkuchen verarbeitet. Wie viele Eier das sind, davon kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Die Firmen Bahlsen oder Birkel beispielsweise werden jeden Tag mit Tanklastzügen voll Flüssigei beliefert. Jeder ist gefüllt mit 20.000 Litern, das sind ca. 600.000 Eier. Für Eierlikörprodukte der Marke Verpoorten sind es am Tag vermutlich sogar mehrere Millionen Eier. Viele Verbraucher wissen das nicht - und sie werden darüber auch nicht informiert.

Der Tierschutzverein Oberberg fordert daher gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung aller Fertigprodukte entsprechend den  Haltungssystemen der Legehennen. Das Kennzeichnungssystem für Schaleneier könnte hier als Vorbild dienen. Wo Tierqual drinsteckt, muss auch Tierqual draufstehen! Ein Erfolg: Da der DTB mit seinen Kampagnen seit Jahren über die Grausamkeit der Käfighaltung von Legehennen informiert und bei politisch Verantwortlichen und Vertretern der Wirtschaft Druck macht, hat die Firma Dr. Oetker die positive Konsequenz gezogen - seit Anfang Mai 2007 verwendet diese Firma keine Eier aus der Käfighaltung mehr.


Wir müssen auch über den Tellerrand hinausschauen, wenn unser Tierschutzverein seinen Namen zu Recht tragen will. Es geht nicht an, dass man sich ausschließlich um die eigenen Hunde und Katzen Sorgen macht und die anonym leidenden Tiere völlig außer Acht lässt. Der Tierschutzgedanke darf nicht am Tor des Tierheims Koppelweide aufhören!“, meint der Vorsitzende Rainer Gaertner. Sicherlich stünde das Wohl der Heimtiere beim Tierschutzverein aus nahe liegenden Gründen an erster Stelle, aber das schließe die Verantwortung für alle anderen Tiere, die ebenso schutzbedürftig seien, nicht aus. Daher fühlt sich der Tierschutzverein auch verpflichtet, die Öffentlichkeit über alle Formen der professionellen Tierausbeutung und Tiertötung aufzuklären und die Bürger zu einem Umdenkungsprozess anzuregen.